Sieger Fortbewegungsmittel des Jahres 2013

Flinc

20 Mio. Pendler sind in Deutschland täglich allein in ihren Autos unterwegs. Flinc, aus einem Hochschulprojekt heraus entstanden, liefert ein System, um diese Ineffizienz und Verschwendung zu lindern: Via Smartphone, Computer oder Navigationsgerät können Nutzer ohne größeren Aufwand und spontan Fahrten anbieten oder suchen. Fast 200.000 Nutzer zählt Flinc bereits, 500.000 Angebote werden jeden Monat auf der Plattform eingestellt.

„Ja, stimmt“, räumt Benjamin Kirschner ein – und grinst. „Natürlich betreiben wir Flinc auch aus Eigeninteresse!“ Der 28-Jährige besitzt nämlich kein Auto, ebenso wenig wie seine PR-Kollegin oder viele andere der insgesamt 17 Mitarbeiter, die das drei Jahre alte Startup im hessischen Dieburg beschäftigt. Kirschner und seine Kollegen suchen aber nicht nur für sich selbst regelmäßig eigene Mitfahrgelegenheiten ins 15 Kilometer entfernte Darmstadt, sondern ihre Idee ist viel größer: 20 Mio. Pendler sind in Deutschland täglich allein in ihren Autos unterwegs. Flinc, aus einem Hochschulprojekt heraus entstanden, liefert ein System, um diese Ineffizienz und Verschwendung zu lindern: Via Smartphone, Computer oder Navigationsgerät können Nutzer ohne größeren Aufwand und spontan Fahrten anbieten oder suchen. Durch Einbindung von Social-Media-Diensten wie Facebook können die Nutzer im Vorfeld mehr übereinander erfahren. Sie können etwa schauen, ob sie gemeinsame Freunde haben und sich nach der Fahrt gegenseitig bewerten. Fast 200.000 Nutzer zählt Flinc bereits, 650.000 Angebote werden jeden Monat auf der Plattform eingestellt.

Kirschner und seine Kollegen verbinden das klassische Geschäft des Fahrten-Vermittelns (einst über Funkzentralen, heute über Web-Auftritte) mit den neuen Möglichkeiten, die Smartphones bieten. Entsprechend spezifisch und präzise ist die Technologie. Anders als beim Konkurrenten mitfahrgelegenheit.de, bei dem nur Ortsnamen eingegeben werden können, sieht Flinc auch die Eingabe von Straßennamen vor. Zudem ist die Technik mittlerweile standardmäßig in die Smartphone-Dienste von Navigon und Garmin eingebunden, was extrem kurzfristige Fahrten ermöglicht. Entsprechend hoch ist die Nutzungsrate: Während bei  mitfahrgelegenheit.de ein registrierter Nutzer im Schnitt alle drei Monate eine Fahrt absolviert , sind es bei Flinc drei Fahrten pro Monat – also 9 Mal mehr.  Die Länge einer Fahrt ist wiederum beim Gesamt-Marktführer höher – und zwar um das Vierfache: Bei  mitfahrgelegenheit.de liegen sie laut Flinc im Schnitt bei 240 Kilometern, bei den Ludwigshafenern bei 60 Kilometern.

Konsumenten können die Technologie von Flinc derzeit gratis nutzen. Geld verdient das Startup jedoch mit Geschäftskunden, die mit Hilfe von Flinc Mitfahrgemeinschaften fördern können. Durch die Nutzung von flinc können Unternehmen Parkflächenbedarf reduzieren, die Kommunikation unter den Mitarbeitern verbessern, CO2 einsparen und den bestehenden Fuhrpark effizienter auslasten.   Gegen eine Set-up-Pauschale und eine monatliche Gebühr – die sich nach der Größe des Unternehmens richtet – können die Unternehmen die Flinc-Technik als geschlossenes System einsetzen und mit eigener Optik versehen. Flinc bietet dabei Komplettpaket bestehend aus einer Cloud-Mitfahrlösung, Marketing und Reporting. 17 Unternehmenskunden sind derzeit an flinc angebunden darunter das Modeunternehmen Marc O’Polo. Beide Unternehmen äußern sich positiv über die Kooperation. Bei Marc O’Polo sind seit Herbst 2012 beispielsweise 660 Fahrten vermittelt worden, die rein rechnerisch gut 8,2 Tonnen CO2 eingespart hätten. Langfristig hofft die Modefirma, durch die „Flinc-Fahrten“ der Belegschaft auch den Bedarf an Parkraum – und somit weitere Kosten – senken zu können.

Auch mit Tankstellen kooperiert Flinc: 650 Stationen von Esso und Oil! sind derzeit als vorgeschlagene Treffpunkte eingegeben. Treffen sich zwei Flinc-Nutzer dort zur gemeinsamen Weiterfahrt, bekommen sie beispielsweise einen kostenlosen Kaffee.

 

von Jennifer Lachman

 

Fotos: Bert Bostelmann

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