Nominiert – Gewerbliche Anlage des Jahres 2014

Caféhaus Lange

Der Konditor Klaus Lange produziert in seinem Hamburger Caféhaus nicht nur eigene Torten, sondern auch eigenen Strom. So viel, dass sein Café eine positive Energiebilanz aufweist. Den Weg zum Plusenergie-Betrieb ebneten aber nicht nur eine große Photovoltaik-Anlage, ein Blockheizkraftwerk und ein Mini-Windrad. Vielmehr spielten dabei auch die zahlreichen Maßnahmen in Sachen Energieeffizienz eine Rolle – von LED-Beleuchtung bis zu einer Kühlanlage, die nicht nur kühlt, sondern gleichzeitig auch heißes Wasser liefert.

Wenn Klaus Lange sich etwas in den Kopf setzt, kann er sehr hartnäckig sein. Etwa bei der Sache mit dem Windrad. Das steht seit November 2012 auf dem Dach seiner Konditorei mit angeschlossenem Café im Hamburger Stadtteil Rahlstedt – als erste privat betriebene Kleinwindkraftanlage der Hansestadt. Ein Jahr lang kämpfte er mit den Behörden, bis er alle notwendigen Genehmigungen hatte. Einmal marschierte er sogar geradewegs ins zuständige Bezirksparlament. „Ein Bürger ist erschienen“ – so kündigte der Parlamentspräsident sein Kommen an, erzählt Lange lachend. 

Hinter all dem Aufwand stand ein Ziel: Lange wollte, dass sein Café mehr Strom erzeugt als verbraucht. Das Windrad war der letzte Schritt dorthin. Zuvor hatte er bereits auf dem Dach eine 170 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage installieren lassen, die rund 26.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert. Zusammen mit der Ausbeute von Langes Blockheizkraftwerk (circa 30.000 Kilowattstunden), das er bereits 2006 installierte, ist der Betriebsbedarf gedeckt. Die 2000 Kilowattstunden, die das kleine Windrad beiträgt, zahlen bereits auf das Stromüberschusskonto ein. Lange ging es bei der Installation des kleinen Rads weniger um die (vergleichweise geringe) Strommenge, sondern vielmehr um die Symbolik. „Auch wegen der Sichtbarkeit", sagt der Konditor, „Die Photovoltaikanlage nimmt man kaum wahr.“

Er möchte ein Vorbild sein: ein Beispiel dafür, dass sich Investitionen in Stromsparen und -erzeugung auch für Kleinbetriebe lohnen. Dafür, dass man auch mit bescheidenen Mitteln eine positive Energiebilanz erzielen kann. Als Klaus Lange am 30. April 2013 seine Sonnenstromanlage in Betrieb nahm, konnte er in seiner nebenan gelegenen Privatwohnung sogar den Anschluss ans öffentliche Netz kündigen. Der notwendige Strom für Zuhause kommt seitdem ausschließlich aus seinem Betrieb. 

Das Thema Energie treibt den Konditor schon lange um. Als er 1989 erstmals einen Gastronomiebetrieb führte, schaffte Lange die damals noch wenig verbreiteten Induktionsherde an, um Energie zu sparen. Nachdem er in die Rahlstedter Konditorei eingeheiratet hatte, spürte er jedem elektrischen Gerät im Haus nach, immer auf der Suche nach Sparmöglichkeiten. In seinem Arbeitsraum gibt es keine Lampen, sondern einen 1300 Euro teuren Prismenspiegel, der Tageslicht in den verdunkelten Raum projiziert. Ob sich das rechnet? Ja, nach zehn Jahren – sagen Standardberechnungen der Hersteller. Egal wann, sagt Lange. „Ich sehe meine Investitionen als Mischkalkulation.“ Zudem werde die energetische Ausstattung eines Hauses schon bald dessen Wert wesentlich mitbestimmen. Ein Vorteil, wenn er sein Geschäft an einen Nachfolger übergibt.

Und überhaupt: Wer sagt denn, dass die Standardrechnungen richtig sind? Die tatsächlichen Ersparnisse von Lange, der übrigens auch ein Zertifikat als Europäischer Energiemanager erworben hat, waren oft besser als die, die man ihm zuvor prognostiziert hatte.

Sein neuestes Projekt ist eine 24.000 Euro teure gasbetriebene Kühlanlage, die nicht nur weniger Strom verbraucht als die alte Klimaanlage, sondern zudem noch mit ihrer Abwärme heißes Wasser für das ganze Haus produziert. In spätestens viereinhalb Jahren hat sich die Sache ausgezahlt, meint Lange. Und dann? Dann will sich Lange unabhängig vom Gas machen. Egal wie lange es dauert.

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