Nominiert – Energiehaus des Jahres 2014

Sunlight-House, Pressbaum bei Wien

Wer an einem Nordhang baut, kann normalerweise nicht mit allzu viel Sonne rechnen. Architekt Juri Troy fand trotzdem einen Weg, dort ein lichtdurchflutetes Haus entstehen zu lassen, dank der Einplanung einer riesigen Fensterfront an der Südseite des Daches. Zwischen den Fenstern blieb Platz für Photovoltaik-Paneele und Sonnenkollektoren, drinnen arbeitet eine Erdwärmepumpe. Durch Holz als dominierenden Baustoff ist die CO2-Bilanz des Sunlight-House positiv.

Ungünstiger geht es kaum. Schmales Grundstück, Nordosthang, dadurch fast immer im Schatten. Warum nur sollte ausgerechnet hier ein lichtdurchflutetes Gebäude mit Vorbildcharakter in puncto Energie- und Ökobilanz entstehen? „Das habe ich mich auch gefragt“, sagt Architekt Juri Troy. „Der Bauherr erklärte, er habe absichtlich ein schwieriges Grundstück ausgesucht. Er meinte, wenn man die Vorgaben hier schafft, dann überall.“ 

Der Bauherr war die dänische Fensterfirma Velux. Die hatte sich für eine europaweite Initiative zu Modellhäusern der Zukunft ebenjene Parzelle im österreichischen Pressbaum gesichert, einer Gemeinde südlich von Wien. Und tatsächlich gelang es Troy, die Nachteile der Lage komplett auszugleichen.

Sein Entwurf wirkt auf den ersten Blick schlicht, ist aber in den Details enorm ausgeklügelt. Das beginnt beim Lichtkonzept. Wegen der ungünstigen Hanglage war klar, dass die Fensteranordnung typischer Energiehäuser mit großen Fenstern an der Süd- und kleinen Luken an der Nordseite nicht umsetzbar war. Durch Experimente im Lichtlabor der Donau-Universität Krems, einer Glaskuppel von drei Meter Höhe und sechs Meter Durchmesser, fand Troy eine Lösung: ein Satteldach mit integrierten Fenstern und jeweils unterschiedlichen Schrägen auf der linken und rechten Seite. So wird mehr Licht eingefangen als von einem Dach mit einheitlicher Schräglage.

Zwischen den Dachfenstern wurden Photovoltaik-Paneele und Sonnenkollektoren eingebaut: 43 Quadratmeter für die Stromerzeugung, acht Quadratmeter für die Warmwassererhitzung. „Dabei mussten wir gut planen“, sagt Troy, „die Paneele sind seriell geschaltet, wenn auch nur ein kleiner Teil im Schatten ist, wird kein Strom mehr erzeugt.“ Das mit der Planung hat er offenbar gut hingekriegt, denn die PV-Anlage mit 6,1 Kilowatt Maximalleistung erzeugt jährlich knapp 6500 Kilowattstunden Strom. Um eine Überhitzung der Räume zu verhindern, passen sich Rollläden und Kippöffnungen ständig automatisch an. Und eine Belüftungsanlage ermittelt über einen Sensor die Luftqualität und führt bei Temperaturen von mehr als 14 Grad über die Dachfenster Frischluft von außen zu. Erst bei niedrigeren Temperaturen kommt die Wärmepumpe zum Einsatz.

Troy achtete aber auch auf eine ökologische Bauweise. Das Fundament des Hauses wurde aus Ökobeton gegossen, einem Abfallprodukt aus der Stahlproduktion. Die Fliesen im Badezimmer bestehen zu 80 Prozent aus recycelten Fliesen und die Außenfassade aus unbehandeltem Fichtenholz aus der Region. Das ist praktisch wartungsfrei, es vergraut nur mit der Zeit. Für jedes Produkt, bis hin zum letzten Kübel Farbe, gab es ein Herkunftszeugnis. So konnte Troy errechnen, dass der Bau 54 Tonnen CO2-Emissionen verursacht hat. Diese Summe wird in gut 30 Jahren ausgeglichen sein, da die Eheleute Fasch und ihre zwei Kinder, die das Haus seit September 2013 bewohnen, dort mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen.

600.000 Euro kostete die Errichtung des Sunlight-Hauses, ohne  Grundstückskosten. Wieviel Geld die Familie Fasch bei der Übernahme vom einstigen Bauherrn Velux bezahlt hat, möchte sie nicht öffentlich machen. Nur soviel: „Die Energiebilanz haben wir beim Kaufpreis auf der Positivseite einkalkuliert“, so Karina Fasch. Zudem schätzt die Familie die vielen praktischen Eigenheiten. Zum Wäschetrocknen gibt es beispielsweise einen eigenen Wandschrank. Optisch gefiel das den Faschs von Anfang an, da die Leinen nicht offen im Zimmer hängen. Dass die Wäsche hier jemals trocken würde, konnten sie sich nicht vorstellen. Doch Architekt Troy hat das Schrankinnere mit der Belüftungsanlage verbunden, sodass die Feuchtigkeit in Windeseile abzieht. Ungünstige Lagen gibt es nun mal nicht. Es kommt nur darauf an, was man daraus macht.

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