Nominiert – Fortbewegungsmittel des Jahres 2014

KickTrike – Dreirad für Erwachsene

KickTrike ist ein zusammenklappbares und damit tragbares Dreirad mit Elektromotor und viel Ladeplatz. Auf seine Ladefläche passen Getränkekisten ebenso wie standardisierte Postkisten. Das Kicktrike fährt bis zu 45 km/h, eine Lenkstange wie beim Segway macht es sehr wendig. Sein Erfinder Hans-Peter Constin ist im Hauptberuf Industriedesigner und hat deshalb beim Entwurf der Prototypen sehr auf leichte und kostengünstige Produktion geachtet.

Wie viele Menschen sein Kicktrike bereits Probe gefahren sind, weiß Hans Peter Constin nicht mehr. Aber seine Freude am Ende der Testfahrten ist noch immer genauso groß wie beim ersten Mal. „Na?“, fragt er den Probanden breit grinsend. „Das geht doch ziemlich ab, oder?“

Stimmt, das tut es. Bis zu 45 Stundenkilometer schnell wird sein Kicktrike, ein stromgetrie-benes, zusammenklappbares Dreirad, das es um jede Kurve und dank einer Breite von lediglich 60 Zentimetern durch jede enge Gasse schafft. Neben dem Fahrer, der das Kicktrike im Stehen lenkt, kann das Gefährt auch Lasten transportieren: Sechs Getränkekisten passen auf die ausklappbare Ladefläche. Über der Vorderachse steckt eine weitere Entwicklung Constins: der Steck-Akku GreenPack, der innerhalb von 20 Sekunden ausgewechselt und an jede Steckdose angeschlossen werden kann. Je nach Batterietyp fährt das Kicktrike bis zu 50 Kilometer weit, die naheliegenden Anwendungen benötigen ohnehin geringere Reichweiten. Der Familienvater auf Wochenendeinkauf, die Mutter, die ihre Kleinen zur Kita bringt, der bewegungseingeschränkte Mensch, der Briefträger, der Lieferfahrer – ginge es nach Constin, nutzten sie alle bald Kicktrikes.

Die Hoffnung ist nicht unbegründet. Denn Constin ist nicht nur ein cleverer Erfinder, sondern auch ein erfahrener Kaufmann. Sein Berliner Unternehmen entwickelt Designs und Kunststoff-Formteile für die Industrie, beispielsweise Telefonanlagen und Router-Boxen. Und auch das Kicktrike ist nicht als Liebhaberei gedacht, sondern soll ein Massenprodukt werden. 2007 begann Constin mit den Arbeiten am Kicktrike, 2012 konnte er auf der Hannover Messe einen ersten Prototypen präsentieren. Jetzt steht das Gefährt unmittelbar vor der Serienreife, so Constin, 2015 will er mit der Produktion beginnen.

Angesichts der zwitterhaften Erscheinung des Stehdreirads schien eine Straßenzulassung anfangs die größte Hürde darzustellen. Aber das Kicktrike profitierte davon, dass sich bereits der US-Hersteller Segway vor gut zehn Jahren um eine Zulassung für sein gleichnamiges Stehzweirad bemühte, das ebenfalls mit Strom angetrieben wird. Seit 2009 ist das Gefährt in der Kategorie „selbstbalancierendes Fahrzeug“ zugelassen.

Sicherheitshalber rüstete Constin sein Trike mit einem anschraubbaren Sitz aus, der ei-nem Fahrradsattel ähnelt. Tatsächlich hat der Erfinder inzwischen bereits ein positives TÜV-Gutachten, das lediglich minimale Nachbesserungen fordert. „Die können wir sehr schnell umsetzen“, sagt er, „dann würden wir innerhalb weniger Wochen eine Zulassung bekommen können.“

Mit zwei Auftragsproduzenten in Polen und Ungarn hat Constin bereits die Kosten einer Serienfertigung durchgerechnet: Ab 1000 Stück würde sich die Produktion lohnen – bei einer Investition von 1200 Euro pro Kicktrike. Zuvor braucht Constin jedoch frisches Kapi-tal. 500.000 Euro hat er selbst bereits in die Entwicklung des Prototyps gesteckt, weitere 300.000 Euro kamen von zwei Privatinvestoren. Bis zum Marktstart bräuchte Constin noch drei Millionen Euro, eine für die Produktion und zwei Millionen für den Aufbau der Vermarktung.

Das würde ihm einen Ladenpreis ermöglichen, der noch unter 4000 Euro pro Stück läge. Zum Vergleich: Segway bot seinen Zweiradroller im Sommer 2014 in einer Rabattaktion für 6000 Euro an. Auch darum ist sich Constin sicher: Sein Kicktrike wird ziemlich abge-hen.

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