Nominiert – Fortbewegungsmittel des Jahres 2014

The Mobility House – Batterienetzwerk auf Rädern

Wer bei Nissan, BMW, Daimler oder Tesla ein E-Mobil kauft, wird vom Verkäufer im Autohaus meist gefragt, ob er sich auch die passende Ladeinfrastruktur in seiner Garage installieren lassen möchte. Will er das, kommt er in Kontakt mit The Mobility House. Die kümmern sich darum. Doch mit der Installation ist es nicht getan. Vielmehr bietet das Unternehmen dabei auch spezielle Strombezugstarife an, die sehr günstig sind, weil sie flexibel auf die verfügbare Strommenge im Netz abgestimmt werden.

Was Thomas Raffeiner für seinen Job qualifiziert, kann man an seinem Auto erkennen. Raffeiner fährt einen Tesla Roadster. Einen Wagen, der zwei Welten in sich vereint: die des Autos – und die der Energiewirtschaft, denn der Tesla wird mit Strom angetrieben. Auch Raffeiner vereint diese beiden Welten in sich: Autonarr von Kindesbeinen an, Elektroingenieur, später bei der Unternehmensberatung Accenture zuständig für die Energieversorger, zuletzt versuchte er als Angestellter von Siemens, den Konzern dafür zu gewinnen, in das Geschäft mit der E-Mobilität einzusteigen.

Seit 2009 ist Raffeiner Chef seines eigenen Unternehmens: The Mobility House. Das Geschäftsmodell des Start-ups, das er gemeinsam mit dem Energieversorger Salzburg AG und Risikokapitalgebern gründete, ist wenig überraschend: Vermitteln zwischen den Welten des Autos und der Energie. Konkret heißt das bislang, dass sein Unternehmen im Auftrag bekannter Autobauer wie BMW, Nissan oder Smart den Käufern von Elektroautos die passende Heimladestation in ihrem Haus oder ihrer Garage installiert. Mit 12 Automobilherstellern konnte das Unternehmen bisher solche Installationsvertriebsverträge für insgesamt 19 europäische Länder unterzeichnen. Oft wissen die Kunden gar nicht, dass der Service von außen kommt. Die Leute von The Mobility House agieren in der Regel im Namen von BMW und Co.

Für Tesla kümmert sich das deutsch-schweizerisch-österreichische Start-up zudem um das Netz von Schnellladestationen, das der kalifornische Hersteller für seine Kunden in Europa aufbauen will. Doch für Raffeiner ist das nur der Anfang. Bis 2020 will er europaweit 480.000 Kunden haben. Wiederum durch eine Vermittlungsdienstleistung. Diesmal sollen auf der einen Seite Fahrer von E-Autos stehen und auf der anderen Netzbetreiber sowie Energieproduzenten.

Das Produkt sind günstige Strompakete für die Fahrer, sogenannte Energy Packets. Raffeiner hat gute Argumente dafür, warum die Energieversorger und Netzbetreiber ihm solche Konditionen einräumen sollten. Denn die Autos können nicht jederzeit Strom laden. Sie dienen vielmehr als eine Art rollender Speicher. Der Strom fließt nur, wenn die Netze überlastet sind, weil durch hohe Wind- und Sonnenstromproduktion zu viel Energie eingespeist wird. Damit das funktioniert, bestimmen die Autofahrer zuvor, zu welchem Zeitpunkt sie wie viel Energie benötigen. Langfristig soll das Modell auch umgekehrt funktionieren: Dann würde die Autobatterie Strom ins Netz zurückspeisen, wenn dort gerade Knappheit herrscht. Natürlich nur, wenn das Fahrzeug ohnehin länger unbenutzt an der Steckdose hängt.

Raffeiners Investoren, darunter die Beteiligungsfirma Zouk Capital und Branchenveteranen wie Ex-BMW-Vorstand und Tata-CEO Carl-Peter Forster, sind davon überzeugt, dass das Modell funktioniert. Sie investierten fünf Millionen Euro in die Entwicklungsphase, die von 2011 bis zum Markteintritt 2014 dauerte. Weitere Millioneninvestitionen sind bereits sichergestellt. In 2018 will Raffeiner den Break-even mit seinem Geschäftsmodell erzielen. Sogar einen eigenen Begriff hat er dafür kreiert: Internet of storage. Eine neue Welt eben.

Unter der Schirmherrschaft
von Sigmar Gabriel

Initiatoren

Partner

Kpmg