Sieger Energie-Startup des Jahres 2014

Next Kraftwerke – Wir regeln das

Next Kraftwerke schließt Kleinproduzenten von Strom zu virtuellen Kraftwerken zusammen: Biogasanlagen, Photovoltaik-Anlagen, kleinere Wasserkraftwerke und Windräder, selbst Notstromaggregate. Den gebündelten Strom verkauft das Start-up aus Köln entweder an der Strombörse oder direkt an Netzbetreiber. Die Erlöse werden mit den Erzeugern geteilt. Für die Zusammenschaltung notwendig ist die Installation einer speziellen Hardware („Next-Box“), gesteuert wird das System mit eigener Software.

Wie kann man das deutsche Stromnetz stabil halten? Das wollten Jochen Schwill und Hendrik Sämisch 2009 in ihrer Doktorarbeit herausfinden. Eine zentrale Frage in Zeiten der Energiewende, wenn immer mehr Energie dezentral ins Netz eingespeist wird und aus „unbeständigen“ Quellen wie Wind und Sonne kommt. Mal weht er, mal scheint sie – oder eben nicht. Als Konsequenz fällt es den Netzbetreibern zunehmend schwerer, für ausgeglichene Spannung im Netz zu sorgen, damit Stromausfälle und Kurzschlüsse verhindert werden. Viele sahen die einzige langfristige Lösung dafür in Speichersystemen. Aber Schwill und Sämisch wurde während ihrer Arbeit klar: „Wir brauchen nicht mehr Speicher, wir brauchen mehr Flexibilität.“ Dahingehend, dass Strom im Netz besser verteilt wird. Als die beiden eine Methode erfanden, die genau das ermöglicht, warfen sie ihr Promotionsvorhaben hin und gründeten ein Start-up: Next Kraftwerke.

Die Technologie von Next Kraftwerke bündelt den erzeugten Strom vieler kleiner Produzenten in einem „virtuellen Kraftwerk“. Durch den Größenvorteil der Bündelung kann das Start-up Strom ähnlich beständig an den Märkten anbieten wie ein traditionelles Kraftwerk. Beständig auch deshalb, weil in dem Netzwerk von Next Kraftwerke nicht nur kleinere Photovoltaik- und Windanlagen vertreten sind, sondern auch viele Biogasanlagen oder Betreiber von Notstromaggregaten, die dauerhaft Strom produzieren. Über 2000 Anlagen hat Next Kraftwerke schon vernetzt.

Dafür notwendig ist das Anbringen der „Next-Box“ direkt bei der Anlage. Sie registriert, wie viel Strom vor Ort produziert wird. Die Daten sämtlicher Boxen werden in die Kölner Zentrale des Start-ups weitergeleitet. Dort gleicht eine Software sie mit weiteren Daten ab, beispielsweise mit Wettervoraussagen, um so Prognosen für zukünftige Stromlieferungen abgeben zu können.

Dank dieser registrierten und prognostizierten Strommenge kann das Start-up Strom nun gebündelt als Pakete an den Märkten anbieten – entweder zur Sofortabnahme („Spot“-Markt der Strombörse) oder einen Tag oder eine Woche vorher (auf „Termin“) am sogenannten Regelenergiemarkt. 

Netzbetreiber brauchen gerade in Zeiten der Energiewende solche Strompaket-Offerten, denn damit können sie auftretende Spannungsprobleme im Netz über Einkäufe ausgleichen. Der Vorteil für die Eigentümer der vernetzten Anlagen ist wiederum, dass sie so meist erst die Chance erhalten, überhaupt am Stromhandel teilzunehmen – und damit zwischen einigen Hundert und mehreren Zehntausend Euro im Jahr verdienen können, ohne das Decken ihres eigenen Strombedarfs zu beeinträchtigen. 

Next Kraftwerke erhält für verkauften Strom eine Provision. Als Teilnehmer auf dem wichtigen Regelenergiemarkt bekommt das Start-up neben der Marge für tatsächlich verkauften Strom zudem eine Gebühr für die regelmäßig bereitgestellte Strommenge. 

Wie wichtig und wie skalierbar das Geschäft von Next Kraftwerke ist, zeigt sich an den Umsätzen: Vier Jahre nach der Gründung ist die 100-Millionen-Euro-Marke bei den Erlösen bereits durchbrochen. Zudem ist das Start-up profitabel. 2013 blieb unterm Strich eine Million Euro übrig. 80 Mitarbeiter stehen mittlerweile in Lohn und Brot, die über 2000 Anlagen in Deutschland und Österreich sind zu fünf virtuellen Kraftwerken vernetzt. Kurzum: Es brummt. Natürlich ruft so eine rasante Entwicklung auch Konkurrenz aufs Tapet, rund 30 weitere Händler regenerativer Energien tummeln sich mittlerweile am Regelenergiemarkt. „Aber es nicht leicht, die Technik für ein virtuelles Kraftwerk ans Laufen zu bekommen“, sagt Sämisch. Sein Ziel für 2014: über 170 Millionen Euro Umsatz. Man sei gut auf Kurs, meint der Gründer. 

Unter der Schirmherrschaft
des Bundesministeriums
für Wirtschaft und Energie

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Partner

Kpmg