CBV Blechmanufaktur

Nominiert – Gewerbliche Anlage des Jahres 2013

CBV Blechmanufaktur

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„An der Energiewende kommt keiner mehr vorbei“, sagt Werner Neumann, Gründer des Blechbearbeitungsbetriebs CBV aus Thüringen. Tief hat sich der Mittelständler ins Energiethema eingefuchst, Kongresse besucht – um dann konsequent zu handeln. Für eine Million Euro rüstete er um – vom Lämpchen bis zum Laserschneider. Das Ziel: Der Senior-Chef möchte seinem Sohn eines Tages einen wirtschaftlich gesunden und energietechnisch nachhaltigen Betrieb übergeben.

Der Firmensitz von CBV war früher ein richtiger Schweinestall – im wahrsten Sinne des Wortes. 1992 gegründet, werkelten Werner Neumann und seine Blechbearbeiter-Kollegen zunächst in einem ehemaligen, abbruchreifen Werkstattgebäude vom Nutztiergehege in Mörsdorf bei Jena. „Erst als wir viele Jahre später umgezogen sind, haben uns die Kunden gesagt, wie beeindruckt sie waren, dass wir trotz solcher Umstände so gute Arbeit geleistet haben“, erinnert sich der 53-jährige Firmengründer.

Diese Anfänge sind lange her: Heute arbeiten 36 Mitarbeiter und 3 Lehrlinge für Neumann. Für mehr als 1.000 Kunden aus z. B. der Mikroelektronik oder der Medizintechnik fertigen sie Klein- und Großserien, Spezialteile und Schweißkonstruktionen – und erwirtschaften im Jahr damit rund 3 Mio. Euro. Mittelfristig wird Neumanns Sohn Ronny, 27, den Betrieb übernehmen: ein Grund mehr, sich schon heute Gedanken über Optimierungspotenzial zu machen.

Ein ganz großes Thema für den Mittelständler: die Energiekosten. Die Blechverarbeitung ist energieintensiv und CBV kam vor dem Beginn diverser Maßnahmen auf monatliche Stromrechnungen bis zu 8.500 Euro, trotz dem nach eigenen Angaben vergleichsweise günstigen Preis von 17,5 Cent/kWh . Neumann wollte diese Ausgaben reduzieren. Er arbeitete sich in die Thematik ein, abonnierte Newsletter, besuchte Konferenzen – und investierte. Das Resultat: Heute liegen die monatlichen Stromrechnungen bei rund 3.500 Euro, zieht man die Einkünfte aus eigens erzeugtem Strom ab, liegen die Nettoausgaben sogar nur bei 2.000 Euro.

CBV ist ein Paradebeispiel für einen Betrieb, der einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt – und schrittweise Strom und Wärme herstellt und gleichzeitig weniger Energie verbraucht. „An dem Thema Energiewende kommt keiner mehr vorbei“, findet Neumann, der bislang folgende Maßnahmen umgesetzt hat:

–    September 2011: Für 21.600 Euro werden alle 328 Leuchtstoffröhren, die in der Fertigungshalle und den beiden Büros hängen, mit LED-Lampen ausgetauscht. Damit konnte der Stromverbrauch für Beleuchtung um rund 70 Prozent gesenkt werden. Allein die Höchstwerte des Stromverbrauchs im Betrieb (die so genannten „Stromspitzen“) wurden von 161 auf 129 kW reduziert, was sich mit regelmäßigen  Einsparungen von rund 350 Euro pro Monat auf der Stromrechnung bemerkbar machte. Insgesamt sanken die monatlichen Stromkosten durch die neue Beleuchtung um etwa 1.500 Euro, somit rund 20.000 Euro pro Jahr.

–    Dezember 2011: Für 310.000 Euro  wird eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 150 kWp gebaut. Die dafür benötigten 1.064 Paneele werden nicht nur auf dem Dach der Gewerbehalle installiert, sondern auch an den Fassaden, nämlich rund 220 Paneele.  CBV-Geschäftsführer Neumann entscheidet sich für Dünnschicht-Module, obwohl diese eine geringere Leistungskraft bzw. Wirkungsgrad haben. Der Grund ist, dass diese Technik für die Stromerzeugung keine direkte Sonneneinstrahlung benötigt und die „Stromausbeute“ somit auch an bewölkten Tagen ganz gut ist. Dies war Neumann wichtig, weil er den mit der Anlage erzeugten Strom vor allem für den regelmäßigen Eigenbedarf nutzen will. Im ersten Betriebsjahr (2012) wurden knapp 130.000 kWh Strom produziert und rund zwei Drittel davon direkt im Betrieb genutzt.  Würde der gesamte Strom ins öffentliche Netz eingespeist, hätte CBV mit der PV-Anlage rund 35.000 Euro verdient. Doch selbst mit der hohen Eigennutzung lag der Ertrag bei über 20.000 Euro.

–    Für 9.500 Euro ersetzte CBV im Oktober 2012 seinen 15 Jahre alten Kompressor  durch einen neuen Gasverdichter mit Wärmerückgewinnung. Der neue Kompressor bringt es eine Heizleistung von bis zu 12 kW und kann mit einer Laufzeit von rund 19 Stunden pro Tag, die ca. 300 m2 großen Büroräume dauerhaft mit Wärme und Warmwasser versorgen. Neumann geht davon aus, dass er sich dadurch in Zukunft rund 40 Prozent der jährlichen Wärmekosten sparen kann. Bei einer jährlichen Heizrechnung von zuletzt 8.000 Euro entspricht das einer Einsparung von 3.200 Euro.

Zudem tauschte Neumann den Großteil seiner – teilweise schon sehr veralteten – Maschinen aus und achtete dabei sehr auf die Energieeffizienz. Zwischen Herbst 2011 und Frühjahr 2013 kaufte er eine neue Stanzanlage, Schleifmaschine und Ultraschallwaschanlage. Das größte Investment war eine im Oktober 2011 gekaufte Laserschneidanlage für 585.000 Euro, die schneller und energieeffizienter arbeitet als die alte und deshalb nur noch 50 Prozent so viel Strom verbraucht.


von Jennifer Lachman


Fotos: Christoph Busse