Fos4X

Nominiert – Energie-Startup des Jahres 2013

Fos4X

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Fos4X ist eine Ausgründung der TU München. Die vier Gründer haben es sich zum Ziel gesetzt, mit ihrer revolutionären faseroptischen Messtechnik den Markt zur Überwachung von Leichtbaustrukturen, insbesondere Windkraftanlagen, umzukrempeln. Die Messtechnik von fos4X und die darauf basierenden Algorithmen ermöglichen es, die Erzeugungskosten für Windenergie deutlich zu senken, neue Standorte zu erschließen und größere Anlagen zu konstruieren.

Um die Marktreife einer Idee zu prüfen, bieten sich unterschiedliche Methoden an. Eine Pressemeldung zu schreiben, gehört dabei sicherlich zu den unkonventionelleren. Ohne ein marktreifes Produkt in der Hinterhand vermeldeten die vier Gründer von fos4X im Jahr 2010, ein Optimierungssystem für Windanlagen auf den Markt bringen zu wollen. Und siehe da: Zahlreiche Anlagenbauer kontaktierten sie, um Näheres zu erfahren. Mit der Konsequenz, dass die promovierten Ingenieure, die damals am Institut für Messsysteme und Sensortechnik der TU München arbeiteten, tatsächlich mit der Umsetzung ihrer Ankündigung begannen.

Der Kern ihrer Geschäftsidee: Mittels Lastmessungen direkt an den Rotorblättern des Windrades werden diese stets optimal ausgerichtet – und können so effizienter arbeiten. „Windräder sind eigentlich ‚dumm‘ – denn in ihnen steckt hauptsächlich einfache Mechanik“, erklärt Lars Hoffmann, einer der Gründer. „Ganz im Gegensatz zur Robotik oder dem Automobilbau beispielsweise, wo eine unglaubliche Menge an Daten erhoben und sofort analysiert wird. Wir haben dies als Marktlücke erkannt.“

Um die Idee umzusetzen, verwenden die Gründer handelsübliche Glasfaserkabel, wie sie auch von der Telekom verbaut werden. Fos4X vergräbt sie jedoch nicht in der Erde, sondern installiert sie an den Rotorblättern von Windrädern. Dort dienen sie als Messgeräte.  Eine von fos4X an den Rotor des Windrads angedockte „Analyse-Box“ mit dem Namen fos4Blade erfasst – beispielsweise durch Windböen oder Luftströme ausgelöste – Veränderungen und greift in die Steuerung des Windrads ein. Das Rotorblatt wird neu justiert und optimal ausgerichtet.

Durch diese Eingriffe können zudem Verschleiß und Wartungshäufigkeit der Anlage reduziert werden, gleichzeitig steigt ihre Lebensdauer. Fasst man alle positiven Auswirkungen zusammen, rechnen die Münchner mit einer Reduzierung der Betriebskosten um fünf bis sieben Prozent pro Windrad.

Insgesamt kann das System von fos4X bei einer herkömmlichen Anlage zu Kostenvorteilen von einigen Tausend Euro pro Jahr führen, bei modernen Windrädern mit höherer Kapazität sogar über 10.000 Euro. Als Best-Case-Szenario nennen die Gründer eine 3,6 Megawatt-Großturbine, wo sich über die Lebensdauer gerechnet ein Kostenvorteil von 460.000 Euro errechnen lässt. Dem gegenüber stehen Installationskosten von 10-30.000 Euro für die fos4X-Messtechnik. Die Glasfaserstränge sind zudem unempfindlich gegenüber Blitzschlag und können die vielen Lastwechsel problemlos aushalten. Für Anlagenbauer entscheidende Bedingungen für die Praxistauglichkeit eines Systems.

Einige Kunden hat fos4X bereits – und der Kundenstamm wächst kontinuierlich an. Inzwischen hat das junge Unternehmen auch seine zweite Finanzierungsrunde mit einer von Hoffmann nicht näher definierten „siebenstelligen“ Investitionssumme abgeschlossen, die das Startup bis zum avisierten Break-Even Ende 2014 das nötige Kapital liefern soll. Hauptinvestor ist nun der mit der TU München verbundene UnternehmerTUM Fonds, weitere Kapitalgeber sind der High Tech Gründerfonds, Bayern Kapital und einige Business Angels.

Mit dem neu eingenommenen Kapital möchte fos4X neben der Serieneinführung von fos4Blade vor allem die Entwicklung seiner Software-Lösungen vorantreiben. Sie sollen langfristig zum Hauptgeschäftsfeld der Münchner werden. Momentan ist es noch der Vertrieb der Hardware, die in den Büroräumen in München-Sendling entwickelt und in Kleinserien von Münchner Zulieferern hergestellt wird. „Wir haben mittelfristig zwei Kundengruppen: Anlagenhersteller und Anlagenbetreiber“, betont Geschäftsführer Hoffmann. „Die Hersteller interessieren sich vor allem für unsere fos4Blade-Hardware, die in den einzelnen Windrädern verbaut wird und so vom ersten Tag der Windkraftanlage an eine effizientere Steuerung ermöglicht. Für die Anlagenbetreiber ist hingegen vor allem eine umfassende Software-Lösung von Interesse, um bestehende Anlagen und Windparks als Ganzes zu optimieren.“

Gründer Hoffmann startete seine Laufbahn nach der Promotion als Berater bei McKinsey, kam jedoch nach zwei Jahren zu seinen ehemaligen Lehrstuhl-Kollegen Thorbjörn Buck, Mathias Müller und Rolf Wojtech zurück. Diese hatten an der Universität das Konzept von fos4X bereits vorangetrieben, jedoch fehlte ihnen bis dahin noch das nötige betriebswirtschaftliche Know-how. Hoffmann brachte nicht nur dieses in das junge Unternehmen ein, sondern überzeugte auch Ex-Kollegen aus der Beratung, zu investieren.

Angst davor, dass die Windradbauer durch die Entwicklung und Installation eigener Lösungen das Startup wieder aus dem Markt drängen, hat der promovierte Messtechniker nicht: „Mess- und Regelungstechnik ist kein Kern-Know-how der meisten Hersteller. Unser Vorteil ist, dass wir die gleichen Fragestellungen bei mehreren Anlagenherstellern sehen, sodass wir neben dem Technologiezugang auch ein sehr tiefes Anwendungswissen entwickelt haben, mit dem wir punkten können“.

Ein weiteres attraktives Argument für das Geschäftsmodell des Startups: Das von fos4X entwickelte Glaserfasersystem lässt sich keineswegs nur in der Windenergie anwenden. Weitere Einsatzfelder, in denen fos4X inzwischen ebenfalls aktiv ist, sind beispielsweise die Luftfahrt, wo man die Wartung von Kohlefaserbauteilen unterstützt, oder die Bahntechnik, wo verschiedene Entwicklungen zum Infrastruktur-Monitoring laufen. Nichtsdestotrotz bleibt die Windkraft Hauptumsatzbringer des Unternehmens, prognostiziert Geschäftsführer Hoffmann. Bis Ende 2013 werde man hier die Serienintegration mit weiteren Kunden begonnen haben.

Langfristig können sich die Macher von fos4X auch vorstellen, ihr Geschäftsmodell von Fixpreisen in ein Revenue-Share-Modell zu wandeln. Das würde bedeuten: Das Unternehmen optimiert die Anlage vorerst gratis, erhält dafür aber einen Anteil am Mehrertrag. Ob die Kunden so einem Modell aufgeschlossen sind, muss die Zukunft allerdings noch zeigen. Klar ist jedoch: An Visionen und Kreativität mangelt es den vier Gründern nicht. Das zeigten sie schon beim Start: mit ihrer als Pressemitteilung getarnter Marktstudie. Mittlerweile sind längst einige „richtige“ Pressemeldungen gefolgt.

von Lukas Kirchner