Klienbau

Nominiert – Energiehaus des Jahres 2013

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Sven Meier hat vor vier Jahren einen echten Energie-Fresser gekauft. Doch mit Engagement und zehntausenden Euro aus privaten Mitteln transformierte der Breisgauer seine Bleibe in ein Vorzeigehaus, das seiner Vision von privater Energieautarkie schon nahe kommt. Mit Holzpellets füttert er im Winter das Mini-Blockheizkraftwerk und sorgt so von Oktober bis April für Wärme und Strom. Im Sommer sorgt die Sonne über Photovoltaik und Solarthermieanlagen für die Energie.

Als er es übernahm, war sein Haus ein „Energie-Fresser“. Dafür war es verhältnismäßig günstig. „Im Prinzip habe ich das Grundstück gekauft und das Haus dazubekommen“, findet Sven Meier. Gekauft hat er sein Einfamilienhaus, das im Freiburger Vorort Gundelfingen steht, im Jahre 2009, Mitten in der Wirtschaftskrise. „Das war die einzige Zeit, in der Immobilien in dieser Region überhaupt ansatzweise finanzierbar waren“, erinnert sich der 43-jährige.

Doch der Elektrotechnik-Ingenieur, der am Fraunhofer-Institut für Werkstoff-Mechanik angestellt ist, wollte es nicht dabei belassen, sich über eine neue Bleibe im Bauhausstil zu freuen. Er wollte sein 1964 erbautes und in den 80er Jahren um ein Obergeschoss erweitertes Eigenheim auch fit machen für das Energiebewusstsein des 21. Jahrhunderts. Aus dem „Energie-Fresser“ sollte ein energieeffizientes Kleinkraftwerk werden.

Die Ausgangsbasis: Eine Eternitfassade ohne Isolierung, schlecht isolierte Fenster und Türen sowie keinerlei Infrastruktur für die Produktion oder Speicherung von Energie. Was das in Zahlen bedeutete, konnte Meier in den Rechnungen seines Vorbesitzers nachlesen: ein Jahresverbrauch von 5.000 Liter Heizöl und 5000 kWh Stromverbrauch hätten mittlerweile zu Energiekosten von rund 5.500 Euro pro Jahr geführt.

Noch im Sommer des Einzugs ließ Meier die drei größten Fenster mit Schiebetüren durch stilgetreue aber moderne Fenster mit Dreifachverglasung ersetzen. Zusätzlich baute er Zwischentüren vor die Haustür und den Durchgang zur Garage. Im bis dahin offenen Kamin wurde eine Heizkassette installiert. Im ersten Jahr reduzierte Meier den Ölverbrauch für die Heizung um mehr als die Hälfte – auf 2200 Liter.

2011 setzte der passionierte Tüftler erste Maßnahmen zur Energieerzeugung um – und wählte dafür einen außergewöhnlichen Weg: Er installierte im Keller ein Mini-Blockheizkraftwerk  Jetzt brauchte er gar kein Heizöl mehr, sondern heizte mit Holzpellets. In einer typischen Heizperiode von Oktober bis April läuft das Kraftwerk etwa 2500 Stunden und verbraucht dabei fünf Tonnen Holzpellets. Das entspricht einem Äquivalent von 2500 Litern Heizöl, hat aber einen entscheidenden Nebeneffekt: Mit diesem verheizten Holz wird auch der Strombedarf während der Wintermonate weitgehend abgedeckt.

Während der Sommermonate sorgt heute eine auf dem Dach installierte Photovoltaikanlage mit 4,1 Kilowatt-Peak für gute Eigenversorgung. Direkt daneben steht auf 10 Quadratmetern eine Solarthermie, die Warmwasser liefert. Ein 2000 l-Pufferspeicher stellt sicher, dass einerseits genug Warmwasser vorhanden ist, „auch wenn die drei Töchter mal wieder eine halbe ‚Ewigkeit‘ lang duschen“, und andererseits die thermische Solaranlage auch an schönsten Breisgauer Sommertagen nicht überhitzungsgefährdet abgeschaltet werden muss . Für die Übergangszeit wurde die Heizkassette im ehemals offenen Kamin um einen wasserführenden Aufsatz erweitert und am Pufferspeicher angeschlossen.

Was die Strom-Eigenerzeugung betrifft, hat sich Meier vorgenommen, möglichst wenig davon in das öffentliche Netz einzuspeisen und mit Subventionspreisen vergüten zu lassen, sondern den Löwenanteil selbst zu verbrauchen. Dazu musste ein Stromspeicher her. Seit Sommer 2013 ist er stolzer Besitzer eines 10 Kilowattstunden starken elektrischen Akkus  mit einem drei Kilowatt starken Batterie-Wechselrichter und integrierter Notstromfunktion, der als „Schnittstelle“ fungiert. Sobald genügend Eigenstrom  vorhanden ist, trennt sich Meiers Haus automatisch vom öffentlichen Stromnetz – und zwar reibungslos: Die Bewohner merken von dieser Umschaltung wenig bis nichts.

Noch ist die Transformation der Bleibe aus den 60er Jahren in ein Energie-Vorzeigehaus mit Bauhaus-Optik noch nicht komplett abgeschlossen. Erst jetzt, im Winter 2013, wird die Eternit-Fassade durch Isolierputz ersetzt. Und auch die Verbindung des „Sonnenspeichers“ mit dem Mini-Blockheizkraftwerk steht noch an, um das BHKW auch autark nutzen zu können. Doch Meier ist seiner Vision eines energie-autarkien Eigenheims auf der Basis regenerativer Energieträger in den knapp vier Jahren seit dem Hauskauf schon sehr nahe gekommen.

Insgesamt 40.000 Euro hat er dafür bislang investiert. Direkte Strom- und Brennstoffkosten sind dadurch schon jetzt verschwunden .
Aufgrund einer engen Zusammenarbeit mit den beteiligten Firmen bekam er z.B. den Speicher-Akku und den Batteriewechselrichter von ASD zu einem „Freundschaftspreis“. Ein Kauf zum üblichen Handelspreis von etwa 18.000 Euro hätte eine Amortisierung kaum zugelassen. Sein selbst entwickeltes und programmiertes Wärmeverteil- und Wärmespeichersystem für Solarthermie, Kamin und Heizkreislauf, entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Heizungs-Installateur südpower GmbH. Da die Neuerungen den Beteiligten gemeinsam zur Verfügung stehen, gab es auch hier ein finanzielles Entgegenkommen.

Auch das pelletbetriebene Mini-Blockheizkraftwerk ist derzeit noch nichts für „Plug & Play“-Konsum. Diverse „Kinderkrankheiten“ hat Meier damit schon hinter sich: Mal bildeten sich unerwartete Ablagerungen bei der Verbrennung, mal funktionierte die Verbrennung der Pellets selbst nicht korrekt, mal verschlissen Motorteile, Erhitzerkopf, Pumpen oder die Elektronik. Dass die „Mutter“ dieses Geräts, Sunmachine GmbH, schon Ende 2010 Insolvenz anmeldete und derzeit kein Anbieter vergleichbarer Mini-Kraftwerke auf dem Markt ist, führten dazu, dass Meier solche Wartungen nach dem „Do-it-Yourself“-Prinzip machen muss. Um zu helfen, diese Probleme zu beheben und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass dieses pelletbetriebene BHKW eine erneute Markteinführung erfährt, konnte Meier ein Fraunhofer- internes Projekt organisieren .

Doch der dreifache Familienvater ist überzeugt, dass weniger reparaturanfällige Nachfolgegeräte irgendwann auf den Markt kommen werden – und schon bald eine Phase kommt, wo man für Hausumwandlungen wie bei ihm keinen Ingenieurtitel mehr braucht. „Nichts von dem, was ich mache, ist im Einzelnen wirklich neu“, behauptet Meier. Was sein Haus für Gäste und interessierte Besucher so interessant macht, sei vielmehr „das Zusammenwirken aller Maßnahmen. Das gibt es so noch nicht.“ Die private Energiewende: Für Meier ein Puzzlespiel, bei dem man die Teile nur richtig zusammensetzen muss.

von Thomas Clark


Fotos: Camilla Zalewski