Rewe Green Building

Nominiert – Gewerbliche Anlage des Jahres 2013

Rewe Green Building

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Green Building ist ein CO2-neutrales Supermarkt-Konzept der Rewe-Gruppe. Durch 280 Meter lange Fensterfronten und 18 Dachkuppeln fällt viel Tageslicht in den Verkaufsraum, die Beleuchtungs-kosten werden so erheblich reduziert. Auf dem Dach installierte Photovoltaik-Anlagen liefern den Strom, alle Kühlaggregate benutzen nur umweltfreundliche Kältemittel. Fünf Märkte stehen bereits. Sie verbrauchen im Vergleich 30 Prozent weniger Energie als herkömmliche Supermärkte.

Weite Gänge, hohe Decken, übermanngroße Kühlschränke: Wer den Rewe Supermarkt im Berliner Stadtteil Rudow betritt, fühlt sich sofort an amerikanische Verhältnisse erinnert. Assoziationen mit Verschwendung, Überdimensionen und Umweltverschmutzung sind aber hier vollkommen unangebracht, denn tatsächlich ist der 1830 m2 große Supermarkt ein Vorzeige-Objekt für Energieeffizienz. Es ist der erste „Green Building“-Markt von Deutschlands zweitgrößter Einzelhandelskette. Das Ende 2009 eröffnete Pilotprojekt entpuppte sich als so erfolgreich, dass inzwischen sechs weitere gefolgt sind, zuletzt im Dezember 2012 in Hamburg.  Derzeit befinden sich mehr als 30 weitere Projekte in der Bauantrags-, Planungs- oder Realisierungsphase.

Die Supermärkte sind ein wichtiger Baustein für die Rewe-Gruppe, die ihr 2008 gesetztes Klimaziel, ihre CO2-Emissionen bis 2015 um 30 Prozent zu verringern, auf dann jährlich 226 kg CO2/m2 Verkaufsfläche, bereits Ende 2012 erreicht hat. Nun sollen als neue Zielgröße die CO2-Emissionen bis 2022 auf jährlich 171 kg reduziert werden. Die größten Energieverbraucher in Supermärkten sind die Kälte- und Beleuchtungsanlagen. Zusammen machen sie etwa 75 Prozent des gesamten Bedarfes aus. Um diesen drastisch zu verringern, wurde in Berlin ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der zum Großteil auch in den anderen Märkten angewandt wird.

So sorgen ein 280 m langes, umlaufendes Fensterband sowie 18 Lichtkuppeln im Dach dafür, dass in den Verkaufsraum viel Tageslicht fällt. Auf dem Vor- und dem Hauptdach sind Photovoltaikmodule installiert. Wandkühlregale, Thekenanlage, Tiefkühlmöbel, Kühlräume und Wärmepumpen werden ausschließlich mit natürlichen Kältemitteln wie Kohlendioxid („gutem“ CO2) oder Propan betrieben. Diese Mittel sind zwar wenig erprobt und somit teurer; sie schaden aber der Umwelt nicht, wenn sie beispielsweise durch Leckagen aus dem Rohrnetz entweichen sollten. Die Abwärme der Kälteanlagen wiederum wird über einen 4.000 Liter großen Pufferspeicher für die Raumheizung genutzt. Regenwasser wird gesammelt und für die Fußboden-Reinigung und die Toilettenspülungen eingesetzt.

Der Markt in Berlin verfügt zudem noch über eine Besonderheit: Dank der thermischen Voraussetzungen konnte Erdwärme genutzt werden. Deshalb wurden im Bereich der Parkplätze zwölf Erdsonden mit einer Tiefe von je 99,5 m eingebracht. So kann hier völlig auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas verzichtet werden.

Der Bau des ersten „Green Building“-Marktes kostete etwa 20 Prozent mehr als ein konventioneller Supermarkt in gleicher Größe, der zukünftige „serielle“ Bau kostet, je nach Gebäudetyp, etwa null bis 15 Prozent mehr. Dafür, so Rewe, wird der Bedarf an Primärenergie von durchschnittlich 950 kWh/m2 und Jahr um 48 Prozent auf unter 500 kW/h reduziert. (40 Prozent der benötigten Menge kann am Standort selbst erzeugt werden; 32 Prozent entfallen auf die Photovoltaikanlage, etwa 8 Prozent auf die Geothermieanlage). Die Energiekosten des Supermarktes (sprich: der Verbrauch der verrechneten Endenergie) reduzieren sich beim „Green Building“-Markt um etwa 30 Prozent gegenüber einem herkömmlichen Markt – von rund 80.000 Euro auf 55.000 Euro pro Jahr. Zudem arbeitet das Green Building komplett CO2-neutral.


von Jennifer Lachman


Fotos: Frank Rothe