Roland Matzig

Nominiert – Energiehaus des Jahres 2014

Saniert zum Passivhaus, Mannheim

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Roland Matzig suchte nach einer neuen Bleibe in der Stadt. Er wollte nicht neu bauen, sondern sanieren. Und zwar so energieeffizient, dass sein neues altes Haus durch gute Dämmung und geschickte Belüftung fast nicht mehr geheizt werden muss. Dazu braucht er die Sonne an seiner Seite, darum verfünffachte er die Fensterfläche an der Südseite. Auch sonst änderte sich viel, insbesondere bei den Energiekosten: Die sanken um 95 Prozent.

Abriss. Das war das erste Wort, das die Matzigs hörten, wenn sie über das Haus sprachen, das sie 2008 für 250.000 Euro im Mannheimer Stadtteil Almenhof gekauft hatten. Sanierung? Bei einem Fundament aus den 30er-Jahren und Mauern aus den 50ern? Was für eine Energieverschwendung. Schließlich hatten Häuslebauer in jenen Jahrzehnten andere Sorgen, als sich um eine gute Isolierung zu kümmern. Man war sich einig: Abriss und Neubau wären die Lösung. Das sei billiger, schneller und besser zu kalkulieren.
Nur Roland Matzig sah es anders: „Ein Haus abzureißen – das ist Energieverschwendung.“ Zumindest, wenn es anders geht. Und er weiß: Oft geht es anders. Schließlich leitet er ein Architekturbüro, das sich auf Passivhäuser spezialisiert hat – auf Häuser, deren Heizwärmebedarf nicht über 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter liegt. Ob ein altes Haus das Potenzial dafür birgt, könnte ein Experte auch ohne Deckenbohrungen und Wandschlitze im Vorfeld prognostizieren. 

Matzig wusste beispielsweise, dass sein Haus nicht wie viele andere in den 70er- oder 80er-Jahren grundlegend renoviert wurde. Darum blieb ihm erspart, umweltschädigende Kleber zu entfernen, die in dieser Zeit gern eingesetzt wurden, die es aber in den 50er-Jahren noch nicht gab. Ebenso erkannte er, dass er den Außenputz nicht abschlagen lassen musste. Es reichte, 26 Zentimeter dicke Mineralwolle als Dämmstoff aufzubringen, die mit Zementfasertafeln oder unbehandeltem Lärchenholz abgedeckt wurde. Vorher verkleinerte Matzig die Fensterfläche an der Nordseite des Gebäudes um die Hälfte und verfünffachte sie an der Südseite, um mehr Sonnenlicht hineinzulassen. 
Dach und Treppenhaus erneuerte er komplett. Das Innere des Hauses ließ er in den Rohzustand versetzen, dann Stahlgerüste einziehen und ausbetonieren, dann überall großzügig Dämmstoffe anbringen – beim Fundament bis zu 1,25 Meter unterhalb des Straßenniveaus. Das war die Basis für die Luftdichtheit, durch die ein Haus weitgehend ohne Wärmezufuhr auskommt. Als Heizreserve reichte eine Fußbodenheizung, deren Rohre mit einem Meter Abstand deutlich weiter gezogen wurden als die üblichen 15 Zentimeter. An der Decke wurde Platz gelassen für eine Belüftungsanlage, ebenfalls zentraler Bestandteil für niedrige Energiekosten.
Der hochwertige Umbau kostete trotz teurer Fenster mit Isolierverglasung und Rahmen aus Holz-Alu beziehungsweise Holz-Karbon sowie einer ungewöhnlich geschwungenen Außentreppe aus Stahl und zwei hölzernen Anbauten nur 700.000 Euro. Ein Neubau mit derselben Wohnfläche wäre unter 950.000 Euro kaum machbar gewesen.
Dafür wohnen die Matzigs nun in einem Musterbeispiel für Energieeffizienz. Obwohl das dreigeschossige Haus mit Keller insgesamt 440 Quadratmeter umfasst, betragen die jährlichen Stromkosten im Schnitt gerade mal 1600 Euro. und der durchschnittliche Jahresverbrauch für die Innenfläche 15,7 Cent pro Quadratmeter. Das umfasst Heizung, Warmwasser und den Betrieb sämtlicher Haus- und Arbeitsgeräte. Vor der Sanierung lagen die Energiekosten mit 320 Kilowattstunden mehr als 20-mal so hoch. Und Gas oder Heizöl braucht Matzig überhaupt nicht.
Der umtriebige Architekt hofft, dass sein Beispiel Nachahmer findet. Deutschlandweit, so schätzt er, gebe es keine Hundert alte Häuser, die auf Passivhaus-Standard gebracht worden sind. „Viel mehr Planungsbüros und Architekten sollten sich da herantrauen“, sagt Matzig. Sein erster Gedanke, wenn er ein altes Haus sieht, lautet jedenfalls: Sanierung.