Stadtwerke Rödental

Nominiert – Stadtwerk des Jahres 2014

Stadtwerke Rödental

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Kleine Stadtwerke müssen oft einen Großteil ihrer Kapazität der Instandhaltung von Infrastruktur widmen. Bei der Erneuerung ihrer Kläranlage haben die Stadtwerke Rödental gezeigt, wie geschickt man dabei vorgehen kann – mit Blick auf das Geschäft und die Umwelt. Zur Trocknung von Klärschlamm dienen jetzt eine Saftpresse und ein Solarhaus. Für einen besseren Kreislauf zwischen produziertem und benötigtem Strom peilt das Werk bei Coburg eine Anbindung an ein regionales Smart Grid an.

Michael Eckardt hätte es sich leicht machen können. Als der Chef der Rödentaler Stadt-werke 2006 entscheiden musste, wie er die veraltete Kläranlage seiner Gemeinde erset-zen will, hätte er einfach eine neue gleicher Bauart bestellen können. Schon die hätte 6,5 Millionen Euro gekostet – viel Geld für das Stadtwerk der 14.000-Einwohner-Gemeinde nahe Coburg. Schließlich beträgt der gesamte Jahresumsatz gerade mal 17 Millionen Euro. Aber Eckardt entschied sich für einen anderen Weg und legte noch einmal 1,7 Millionen Euro drauf – für ein völlig neues Konzept, das sich nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich rechnen soll.
Das neue Werk ist nun schon von Weitem an seinem Gasbehälter zu erkennen, der bis zu 5000 Kubikmeter Faulgas speichern kann, das vom Klärschlamm abgesondert wird. Dieses Volumen machte es in Kombination mit zwei ebenfalls neu angeschafften Mikrogasturbinen möglich, die Gase besser zu verwerten. Statt diese direkt zu verbrennen und in Wärme umzuwandeln, kann das Stadtwerk das Gas nun speichern und damit Strom erzeugen. Das Ergebnis: 2013, im ersten vollen Betriebsjahr der Kläranlage, produzierten die Turbinen 147.000 Kilowattstunden Strom und deckten damit ein Fünftel des Eigenbedarfs ab. Für das Stadtwerk bedeutet dies 44.000 Euro niedrigere Stromkosten, für die Umwelt eine CO2-Entlastung von jährlich 91 Tonnen.

Die teuerste Investition aber war eine gigantische Fruchtpresse. 850.000 Euro kostete die Anlage, die Eckardt aus der Schweiz importierte. Der Gedanke dahinter: Wenn so eine Anlage aus Äpfeln Saft herauspressen kann, müsste sie doch auch Wasser aus feuchtem Klärschlamm herausbekommen können. Den lieferte das Stadtwerk bislang an ein Heizwerk, das sich das aufwendige Verbrennen gut bezahlen lässt. Der Schlamm, der nun nach dem Pressvorgang im drei Kubikmeter großen Stahlzylinder der neuen Anlage übrig bleibt, besitzt jedoch nur noch einen Wasseranteil von 69 Prozent. Und nach einem weiteren Durchlauf im ebenfalls neuen Solartrockner hat er sich in eine trockene Substanz verwandelt, die nur noch zu 25 Prozent aus Wasser besteht und sich deutlich besser verbrennen lässt. Entsprechend brauchten die Rödentaler bereits im ersten Betriebsjahr 85.000 Euro weniger an das Heizwerk zu bezahlen. Eckardt will das Verfahren so perfektionieren, dass der Brennwert des Schlamms dem von Braunkohle entspricht. Dann wäre dieser eine begehrte Ware, und aus dem Kunden Stadtwerk würde ein Verkäufer Stadtwerk.
Damit auch die Bürger sich über solche Vorteile informieren können, finden regelmäßig Führungen im Werk statt, die Eckardt manchmal persönlich leitet. Aber nicht nur die Rödentaler Bevölkerung interessiert sich für die neue Anlage, sondern auch die Deutsche Energie-Agentur (dena). Sie will bis Ende 2014 entscheiden, ob die Kläranlage Bestandteil eines „Smart Grids“ werden könne, das die Stabilität des bayerischen Strom-netzes stärken soll. Konkret hieße dies, dass die Mikrogasturbinen des Stadtwerks ausschalten, wenn viel Solar- und Windstrom aus dem Netz zur Verfügung steht und im Gegenzug einschalten und Strom ins Netz einspeisen, wenn die Sonne nicht scheint und wenig Wind weht.
Für die Treffen mit den Kollegen anderer Stadtwerke, die am dena-Projekt beteiligt sind, fährt Eckardt schon jetzt regelmäßig nach Bamberg. Oft mit einem motorradähnlichen neuen E-Bike. Zwei davon hat das Stadtwerk für 20.000 Euro angeschafft, damit die Rödentaler sie zu Testzwecken kostenlos ausleihen können. Als dessen Chef sei er auch „oberster Werbeträger“, meint Eckardt und will mit gutem Beispiel vorangehen. Mit Dienst-BMW könnte er die Strecke doppelt so schnell zurücklegen. Aber einfach kann ja jeder.